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Türchen Nr. 9 – Vom Reichsein …

Gestern wollte ich einfach mal den Adventssonntag mit meiner Familie genießen, daher liefere ich heute das gestrige Türchen nach.

Aber jetzt ist es endlich soweit, das 9. Türchen kann geöffnet werden …

Eine Geschichte vom Reichsein

Luisa sah sich im Haus um.
Es herrschte Chaos, überall standen Kisten. Ihr halbes Leben, das, was davon noch übrig war, schien in Kisten verpackt zu sein.
In zwei Wochen war Heiligabend, doch hier im Haus gab es keine Spur von Weihnachten. Alles wirkte kühl und ungemütlich.
Denn sobald das neue Jahr anbrechen würde, würde sie umziehen. Für sie alleine war das Haus einfach zu groß, zu kalt und zu teuer.

Als feststand, dass Thomas sterben würde, hatte er gesagt: „Verkauf das Haus und nimm dir eine Mietwohnung. Dann brauchst du dich nicht um so viel kümmern, und du hast genug Geld, um gut zu leben.“

Das erste Jahr ohne Thomas war schwer gewesen. Sie hatte es nicht übers Herz gebracht, das Haus zu verkaufen. Zu viele Erinnerungen hingen daran.
Doch auch das zweite Jahr war nicht viel leichter. Sie hatte das Haus verkauft, und so viel loslassen müssen. Nach und nach hatte sie alles sortiert und aussortiert, Dinge weggegeben oder weggeworfen. Immer wieder kam sie an ihre emotionalen Grenzen. So viele Erinnerungen kamen hoch und Unmengen an Tränen waren geflossen.

Nun würde sie bald ihr Zuhause verlassen und ein anderes Leben beginnen. Ob sie sich in der Wohnung zuhause fühlen würde? Was würde das nächste Jahr wohl bringen?

Uta, ihre beste Freundin, war in der schweren Zeit immer für sie dagewesen. Sie hätte nicht gewusst, wie sie alles ohne sie hätte schaffen sollen. Doch seit einiger Zeit zog Uta sich immer mehr von ihr zurück. Sie könne nicht dabei zugucken, wie sie das Haus leerräume.

Ob Uta ihr übel nahm, dass sie das Haus verkauft hatte. Doch warum?
„Du bist ja jetzt reich“, hatte Uta letztens vorwurfsvoll zu ihr gesagt.

Reich? War sie denn wirklich reich, nur weil sie das Haus gut verkaufen konnte und Geld auf dem Konto hatte?

Ihr Mann war gestorben, sie musste ihr bisheriges Leben hinter sich lassen, und sie zog allein in eine Wohnung. Während ihre Freundin mit ihrem Mann, ihrer Tochter und den Enkelkindern in einem Haus lebte. Ja, vielleicht wohnten sie etwas beengt und überall fehlte es an Geld, aber keiner von ihnen war allein. Sie hatten sich und waren immer füreinander da. Wusste Uta das denn gar nicht zu schätzen?

Luisa fragte sich, wer wohl reicher war. Sie oder ihre Freundin Uta?

Martina Hildebrand

Was glaubt ihr, wer von beiden reicher ist?
Und wisst ihr zu schätzen, was ihr habt?

Ich hoffe, ihr hattet einen wunderschönen zweiten Advent.
Ich wünsche euch eine gute Nacht, und wenn ihr mal unzufrieden seid, seht noch mal genauer hin. Vielleicht seid ihr ja doch reicher als gedacht,

Martina Hildebrand

 

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4 Gedanken zu „Türchen Nr. 9 – Vom Reichsein …“

  1. Liebe Martina,
    du regst heute zum Nachdenken, Nachspüren an. Deine Frage ist gar nicht so schnell und eineeutig zu beantworten. Es ist eine Frage, wie ich Reichtum definiere. Die Freundin hat ihn wohl im Hinblick auf die finanzielle Situation definiert und Luisa eben mit ganz anderen Werten.
    Ich denke, dass wir nur mit offenen Herzen, also mit der Dankbarkeit im Blick, unseren Reichtum erkennen und auch schätzen können. Dazu gehören unsere materiellen Güter sowie die Beziehungen die uns geschenkt sind. Materiell kann ich mich reich fühlen, auch wenn ich mir nicht alles leisten kann und sparsam sein muss, wenn ich schätze was ich habe: Ein Dach über dem Kopf und jeden Tag darf ich satt werden, usw. Es ist die Frage, was ich wirklich zum Leben brauche. Ich kann mich auch reich fühlen, wenn ich einen geliebten Menschen gehen lassen musste, wahrscheinlich nicht sofort, aber wenn eine Zeit vergangen ist, dann kann ich mit meinem Herzen sehen, wie reich ich dadurch bin, dass dieser Mensch „in meinem Leben“ war , dass ich ihn an meiner Seite haben durfte.
    Ein interessantes Thema über das es sich. achzuspüren lohnt.
    Herzlichst: Beate

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Beate,
      oh ja, das ist ein Thema, über dass man wirklich sehr viel nachdenken kann. Dich haben meine Zeilen zumindest zum Nachdenken angeregt. Das freut mich sehr. ❤
      Ich denke, dass wir alle manchmal aus Sorge oder Ärger oder sonstigen Gründen vergessen, was wir Gutes im Leben haben. Uns geht es ja trotzdem nicht immer gut. Aber gerade dann ist es manchmal gut, den Blickwinkel zu verändern, was du z.B. bewundernswerterweise immer wieder tust, und uns daran erinnern, wie viel Gutes doch in unserem Leben ist. Manchmal beneiden wir Menschen um etwas, ohne genauer hinzugucken, dass sie zwar um die eine Sache, egal worum es sich handelt, reicher sind als wir, aber in so vielen anderen Dingen doch viel ärmer sind. Fragt sich, ob wir wirklich mit ihnen tauschen wollen würden …
      Ich wünsche dir einen schönen Abend.
      Liebe Grüße zu dir,
      Martina ❤

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